05 Aug

Erfahrungsbericht zum Verkehrscoaching: Ein Kurs ohne Prüfung

In diesem Beitrag erfahren Sie aus erster Hand, wie ein Verkehrscoaching abläuft.

Ein Mann fährt auf der Straße im Auto.

Erfahrungsbericht zum Verkehrscoaching von ÖRK und KFV

Wer nach erfolgtem Alkoholgenuss ein Fahrzeug lenkt und dabei von der Polizei erwischt wird, muss im Bereich von 0,8 bis 1,19 Promille mit dem Entzug des Führerscheins, einer Geldstrafe und der Teilnahme an einem Verkehrscoaching rechnen. Was Sie bei dieser Maßnahme erwartet, lesen Sie in dem folgenden Erfahrungsbericht eines ehemaligen Teilnehmers.

Stefan M. aus Wolfsberg (Pkw-Lenker, 42 Jahre):

„Vor einigen Monaten gingen meine Kollegen und ich nach der Arbeit noch auf ‚ein‘ Getränk in ein Lokal in der Innenstadt. Da der Heimweg nicht weit ist und ich überzeugt davon war, noch fahren zu können, habe ich das Auto genommen. Obwohl oder weil ich schon mehr als ein Bier getrunken hatte, dachte ich nicht über mögliche Konsequenzen nach. Zu meinem Pech wurde ich bei einer Verkehrskontrolle angehalten und mit 0,82 Promille erwischt. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ich überhaupt schon über 0,5 Promille habe! Meinen Führerschein musste ich abgeben und die Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg hat ein Verkehrscoaching angeordnet. Zu diesem habe ich mich dann online angemeldet.

Kurz vor dem Termin stieg meine Nervosität und ich stellte mir erstmals Fragen zum Ablauf. Ich überlegte, wie wohl die anderen Kursteilnehmer sein werden, ob ich die Prüfung schaffen werde und ob es notwendig sein wird, meine Geschichte bis ins Detail vor den anderen zu erzählen. Angst hatte ich auch davor, Bekannte zu treffen, die dann erfahren würden, dass ich mit Alkohol am Steuer erwischt wurde. Aufgrund meiner Unsicherheit entschloss ich mich, beim KFV anzurufen. Im Telefonat konnte ich alle offenen Fragen zum Verkehrscoaching klären. Eine freundliche Mitarbeiterin aus dem Service Center beschrieb mir in Ruhe den Ablauf und nahm mir die Angst vor einer Prüfung – eine solche gibt es beim Verkehrscoaching nämlich gar nicht!

Am Tag des Verkehrscoachings verflog die anfängliche Nervosität sehr schnell. Anders als gedacht, war die Stimmung im Kurs sehr angenehm und ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Besonders gut gefallen hat mir, dass die vier Einheiten zu je 50 Minuten durch kurze Pausen aufgelockert wurden, in denen wir Teilnehmer uns auch untereinander besser kennenlernen konnten.

In den ersten beiden Stunden wurden wir von zwei Sanitätern des Roten Kreuzes an die Gefahren erinnert, die das Lenken eines Fahrzeugs mit sich bringt, wenn man alkoholisiert ist oder Drogen genommen hat. Uns wurde bewusst gemacht, wie sich dadurch unsere Wahrnehmung beeinträchtigt und auch gleichzeitig die Reaktionsfähigkeit reduziert.

Den anschließenden zweiten Teil des Kurses hielt ein Psychologe ab. Gemeinsam hatten wir die Gelegenheit, unser Verhalten zu reflektieren und uns ganz persönliche Lösungen zu überlegen, wie wir in Zukunft Fahrten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss vermeiden können. In der Gruppe habe ich mich wohl gefühlt, was das Ganze sehr viel einfacher gemacht hat, als hätte ich alleine mit einem Psychologen sprechen müssen!

Schlussendlich war der Gruppenkurs viel schneller vorbei, als gedacht. Ich persönlich konnte vor allem aus dem ersten Teil des Verkehrscoachings mit den Sanitätern viel mitnehmen, weil mir dort klar vor Augen geführt wurde, welche Folgen es haben kann, sich alkoholisiert ins Auto zu setzen. Durch intensiven Austausch im Gruppengespräch mit dem Psychologen weiß ich jetzt außerdem, wie ich das Gelernte in die Tat umsetzen kann.

Für mich ist klar, dass ich das nächste Mal, wenn ich etwas getrunken habe, mein Auto ganz bestimmt stehen lasse. Schließlich möchte ich meinen Führerschein nicht wieder verlieren und auch keine anderen Verkehrsteilnehmer grundlos gefährden.

Wir bedanken uns bei Stefan M. für seinen persönlichen Einblick in das absolvierte Verkehrscoaching.